08:4713.04.2019

Cannabis-Shop eröffnet in Leipzig

Abseits der Debatten um Rauschzustände und Legalisierung interessiert sich Johannes Eberl vor allem für eines: die therapeutische Wirkung von Cannabis. Jetzt hat er dafür seinen eigenen Shop in der Jahnallee.

Klein und unscheinbar mutet der Laden von Johannes Eberl an. Doch was in den vier Wänden die wabenförmigen Regale ziert, ist zumindest eine kleine Sensation. Seit Freitag verkauft der gebürtige Köthener im „Greentime CBD-Store“ offiziell Cannabis und ist damit der erste in ganz Sachsen. Ob einem Entspannungsöl oder dem Beruhigungsmittel für das Haustier beigemischt – Kunden dürfen aus bis zu 70 verschiedenen Produkten wählen.


12.04.2019 | 21:34 Uhr

Erster Cannabis-Shop in Sachsen eröffnet in Leipzig

Seit 2017 ist es auch in Sachsen möglich, Cannabis auf Rezept zu erhalten. Während die Ärzte über fehlende Forschung klagen, eröffnet in Leipzig am Freitag Sachsens erster Cannabis-Shop.

Seit zwei Jahren ist Cannabis als Medikament zugelassen. Allerdings dürfen Ärzte Marihuana nur an Schwerkranke, etwa Krebspatienten, verschreiben. Der freie Verkauf von Cannabidiol (CBD) ist jedoch gestattet, denn diese Hanfsorte ist nahezu frei von der berauschenden Substanz THC.

Dass CBD auch therapeutische Wirkung haben kann, davon ist der Leipziger Johannes Eberl überzeugt. Der Leistungssportler eröffnet deshalb am Freitag Sachsens ersten Cannabis-Shop auf der Leipziger Jahnallee. "Cannabis ist eine Pflanze, die schon vor über 5.000 Jahren genutzt wurde", erklärt Eberl. "Uns geht es heute aber immer nur um die Rauschwirkung und die Legalisierung, wie sie jenseits des 'großen Teichs' ja schon gemacht wird. Wir gucken uns dabei aber nicht die Pflanze im Detail an und was sie kann."

Lange Tradition und Geschichte

Als Nutzpflanze wurde Cannabis, was nur ein anderer Name für Hanf ist, lange Zeit für Seile, Stoffe und als Heilpflanze genutzt, da es schmerzlindernde Wirkung hat. In der Moderne geriet dies in Vergessenheit. Erst vor einigen Jahren entdeckte man, dass der Mensch körpereigene Cannabinoide besitzt, die ähnliche chemische Strukturen aufweisen wie Cannabinoide pflanzlicher Herkunft. Dadurch ist der Körper in der Lage, das CBD der Hanfpflanze aufzunehmen. Dieser Wirkstoff kann nachweislich schmerzlindernd, beruhigend und entzündungshemmend wirken.

Kein Rausch von CBD

"Die berauschende Wirkung, die wir meinen, wenn wir von Cannabis sprechen, ist das THC. Aber das ist nur einer der Pflanzenstoffe, der psychoaktiv wirkt. Damit ist unser CBD-Produkt nicht zu vergleichen." CBD findet Anwendung bei Schlafstörungen, Nervosität, Neurosen, Neurodermitis oder Epilepsie. Eberl sieht darin eine Alternative zu Paracetamol oder Schlafmitteln.

Schokolade und Katzendrops

Angeregt, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, wurde Eberl durch den Sport. "Im Sportbereich geht es auch darum, den Körper in der Zeit zwischen den Wettkämpfen zu regenerieren. Da erlebt gerade das Cannabidiol eine Wiedergeburt." Nun verkauft er mit CBD versetzte Kosmetika, Schokolade und verschiedene therapeutische Öle, aber auch Blüten der Hanfpflanze. Sogar für Hunde und Katzen gibt es Präparate, die beruhigend wirken, etwa wenn die Silvesterböller knallen. Seine Ware kommt aus Gewächshäusern in Österreich und der Schweiz. An Minderjährige will Eberl nicht verkaufen, "obwohl wir es eigentlich dürften. Bisher ist da noch überhaupt nichts geregelt."

Forschung in den Kinderschuhen

Auch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, gibt Eberl zu. "Die Konzentration, also wie viel man verwendet, ist noch nicht wissenschaftlich festgelegt." Einige Wissenschaftler sind skeptisch. Dr. Erik Bodendieck, Mitglied der Bundesärztekammer, sieht den Einsatz als Medikament kritisch:
"Wir haben noch nicht mal eine ausreichende Studienlage, die überhaupt dazu herhalten könnte, zu sagen, es ist gerechtfertigt, Cannabis in der Medizin einzusetzen." Dagegen sagt der Pharmakologe Dr. Nils Rehmann: "Wir haben eine Unmenge an wissenschaftlichen Studien, die wirklich zeigen, dass Cannabis eine aktive Substanz ist, die viele Dinge heilen oder zumindest Symptome lindern kann."

Für Freizeitkiffer sind die Blüten im Leipziger Laden auf jeden Fall nicht geeignet, versichert Johannes Eberl: "Marihuana enthält im Gegensatz zu CBD-Hanf einhundertmal so viel berauschendes, psychoaktives THC. Unser Produkt hat gerade mal 0,2 Prozent – davon merken sie nichts."

Quelle: MDR/lt

CBD-Gewinnung

Erste Cannabisernte in der Lommatzscher Pflege

Meterhoch ragen die geruchsintensiven Pflanzen in den Spätsommerhimmel bei Naundorf. Auf einer Fläche so groß wie 231 Fußballfelder wird hier CBD-Cannabis angebaut. Der Stoff wird als Nahrungsergänzungmittel verwendet.


In der Lommatzscher Pflege feiert eine alte Kulturpflanze ihre Wiederkehr. Auf rund 165 Hektar hat die Firma Mariplant Hanf angepflanzt und am Mittwoch mit der ersten Ernte begonnen. Aus den Blüten wird im Werk in Ebersbach bei Moritzburg der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) gewonnen, erklärt der Prokurist Josef Späth im Gespräch mit MDR SACHSEN. Das beruhigend wirkende CBD wird in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel europaweit verkauft. Dabei handele es sich allerdings nicht um Medizin, unterstützt jedoch laut Hersteller "die Regulation körpereigener Funktionen, das Wohlbefinden und die innere Ruhe." Bei Schlafstörungen oder permanenten Angstzuständen soll der Wirkstoff Abhilfe schaffen.

Keine berauschende Wirkung

Wer denkt, er könne sich an den Blüten berauschen, liegt falsch. Die Pflanzen sind vom Landwirtschaftsamt zugelassen und werden regelmäßig auf ihren THC-Gehalt geprüft. Weniger als 0,2 Prozent des berauschenden Wirkstoffs sind in den Pflanzen von Maricann, so Späth. Der THC-Anteil in Produkten mit Cannabidiol darf laut Gesetz nicht über dem Wert liegen, ansonsten würde das Produkt unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und rezeptpflichtig sein. Aus diesem Grund gebe es auch keinen Anlass, die Felder besonders zu schützen. Als Spaziergänger kann jeder an den Feldern entlangschlendern und sich des würzigen Geruchs erfreuen.